Pflegekräfte sind keine Saisonarbeiter


Pharmainstitut: Qualitativ hochwertige Pflege nur mit examiniertem Pflegepersonal
"AGnES" verwalte nur den Mangel an Krankenschwestern und Krankenpflegern


(13.01.11) - Das Pharmainstitut bemängelt, dass immer mehr Pflegeeinrichtungen dazu übergehen, Hilfskräfte einzustellen. So werde der Stellenschlüssel verfälscht und die Verantwortung den bereits jetzt schon überlasteten examinierten Pflegekräften aufgehalst.

Wie auch die geplante Pflegereform ausgehen möge – entscheidend sei, dass die ambulante wie auch die stationäre Pflege in Senioreneinrichtungen und Kliniken durch examiniertes Pflegepersonal durchgeführt werde und nicht durch billige Hilfskräfte.

Von einer fachlich fundierten Pflege würden Patienten und Kostenträger und Krankenkassen gleichermaßen profitieren. Der Genesungsprozess des Kranken werde beschleunigt und es komme zu weniger postoperativen Komplikationen. Dadurch spare das Gesundheitswesen erhebliche Kosten.

Der Pflegeexperte Jürgen Bause fordert von der Politik, die Pflege als ganzheitlichen Prozess zu betrachten. Es müsse die Ausbildung verbessert werden und der Beruf als Krankenschwester/ Krankenpfleger müsse attraktiver gestaltet werden. "Pflegekräfte sind keine Saisonarbeiter, als Assistenten des Arztes mit eigenem Berufsbild, haben sie eine enorme gesellschaftliche Verantwortung", sagt Bause.

Das von Ärzten initiierte Projekt "Schwester AGnES", bei dem Arztassistentinnen aus den Arztpraxen in Teilen Ostdeutschlands medizinische Aufgaben übernehmen würden, sei ein glatter Hohn. AGnES verwalte nur den Mangel an Krankenschwestern und Krankenpflegern.

Dieser eigenständige Beruf dürfe nicht durch "Schwester AGnES" unterlaufen werden. Hier sei ein Umdenken in Politik und Gesellschaft notwendig. Der Gesetzgeber dürfe sich nicht auf solche Experimente einlassen. Pflegerische Maßnahmen gehörten in die Hände von Krankenschwestern. Das Pflegepersonal müsse in Anbetracht der zunehmenden Qualifikationen wie im Wundmanagement und Familienpflege eigenständiger agieren können.

Die Abhängigkeit vom Hausarzt müsse ein Ende haben. Qualifizierte Pflegekräfte seien in ihrem Tätigkeitsbereich befähigt, eigenständig zu arbeiten und Entscheidungen zu treffen. Wenn die Ärzte für die Patienten nach eigenen Aussagen immer weniger Zeit hätten, dann sollten sie Kompetenzen abgeben und sich dadurch selbst entlasten. Auch das Patienten-Coaching könne nur durch Unterstützung von Krankenpflegepersonal zum Erfolg geführt werden.

Bereits heute fehlten bundesweit über 300.000 examinierte Pflegekräfte. Es ist an der Zeit, diesen Beruf attraktiver zu gestalten, fordert das Pharmainstitut. Dazu gehöre neben einer angemessen Vergütung auch das Zugeständnis von mehr Kompetenzen. In zahlreichen EU-Nachbarländern gebe es klare berufliche Abgrenzungen zwischen Ärzten und Pflegepersonal. Immer mehr Pflegepersonal arbeite bevorzugt in der Schweiz und in Skandinavien. Dort seien die Arbeitsbedingungen attraktiver und das Pflegepersonal habe erheblich mehr Gestaltungsspielräume. (Pharmainstitut Ulm: ra)

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